Doping und ärztliches Handeln

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Im deutschen Ärzteblatt vom Februar 2009 erfolgte eine Stellungnahme der Bundesärztekammer zu obigem Thema. Hintergrund sind Enthüllungen hinsichtlich Dopingpraktiken sowie Vermutungen, dass Doping auch im Freizeit- und Breitensport Einsatz findet. Daher sind viele Ärzte mit diesem Phänomen konfron-
tiert. Doping ist nicht nur ein Thema für Sportärzte die Leistungssportler betreuen,
sondern jeder Arzt kann mit entsprechenden Fragestellungen konfrontiert sein.
Die Stellungnahme will Orientierung bieten, damit sich jeder Arzt im Einklang mit
dem ärztlichen Berufsethos verhalten kann.


Was spricht ethisch gegen Doping?
Die Berechtigung des Dopingverbotes sowie des Verbots der ärztlichen Mitwirkung am Doping ergibt sich erst aus einer Gesamtschau der vorliegenden ethischen Argumente.
Zu nennen sind:
Doping ist unvereinbar mit dem Sinngehalt des Sportes. Die Faszination des Sports liegt wesentlich in der Demonstration dessen, was der Mensch aus eigener Kraft leisten kann. Doping zerstört diese Faszination. Es gehört zu der gesellschaftlichen Definition des Sports als eines kulturellen Sonderbereichs, dass die Leistungen ausschließlich auf Grund von Talent und Training erbracht werden. Lediglich bestimmte, streng genormte Hilfsmittel sind erlaubt.
Doping beeinträchtigt die Chancengleichheit. Es besteht Konsenz, dass die vorliegenden natürlichen Ungleichheiten zur Geltung gebracht werden können. Daher liegt prinzipiell eine Ungleichheit der Chancen vor. Doping aber würde dieser Chancenungleichheit eine weitere hinzufügen.
Dopingpraktiken geben ein schlechtes Beispiel ab. Der Leistungssport übernimmt Vorbildfunktion in der Gesellschaft, diese soll sich auch im fair play Gedanken aus- drücken. Auf Grund der Vorbildfunktion erfolgen auch staatliche Unterstützungen. Dopingmittel besitzen in jedem Fall ein Gesundheitsrisiko. Insbesondere dann, wenn Dosen in besonderer Höhe oder auch in Kombination mit anderen Mitteln
eingenommen werden. Dopingpraktiken können zu einer Vergesellschaftung der Schäden führen. Die Gesellschaft ist bereit, im Austausch für die sozialen Dienste des Leistungssports wie Unterhaltung, Spannung, Ausleben von Emotionen sich auch den Sport etwas kosten zu lassen. Derzeit ist es mehr als fraglich, dass das Publikum bereit ist, auch die Kosten zu übernehmen für die Behandlung von Dopingschäden In der Summation der oben genannten Argumenten besteht derzeit Konsens, dass Doping sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport abzulehnen ist.


Doping und ärztliches Berufsethos
Mediziner und besonders Sportmediziner können sehr schnell mit Dopingpraktiken konfrontiert werden. Daher kann es zu Loyalitätskonflikten kommen und die ärztlichen Betreuer stehen unter einem erheblichen Erfolgsdruck. Die Arbeit mit prominenten Sportlern und die enge Vertrautheit mit diesen steigert natürlich auch das ärztliche Ansehen und kann schnell zu persönlichen und finanziellen Abhängigkeiten führen.
Das geltende Arzneimittelgesetz verbietet die Mitwirkung von Ärzten bei Dopingmaßnahmen.
„ Es ist verboten, Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei anderen anzuwenden.“ Dabei wird nicht zwischen Doping im Spitzen- und Breitensport unterschieden.
Es wird empfohlen, dass der Arzt im Falle der Kenntnisnahme der Dopingpraxis eines Patienten diesen vor den Risiken warnt, dies ergibt sich aus dem Fürsorgeprinzip. Dies umso mehr, wenn der Sportler sich über die Risiken nicht im Klaren ist und wenn es sich um Jugendliche handelt. Jeder Arzt ist verpflichtet, medizinische Behandlungen auch bei gedopten Sportlern vorzunehmen, das ergibt sich auch schon auf Grund des Berufsethos, die Ablehnung einer medizinischen Behandlung kann und darf nur die Ausnahme bleiben. Erhält ein Arzt Kenntnis, dass Sportler gedopt sind, so unterliegt dieses natürlich der ärztlichen Schweigepflicht. Der betreuende Arzt darf den Verband oder andere Institutionen nur informieren, wenn eine entsprechende Entbindung vorliegt. Im Gespräch mit dem gedopten Sportler sollte aber der Arzt klarstellen, dass er über die Dopingrisiken aufgeklärt hat und das er nicht an entsprechenden Dopingpraktiken mitwirkt.
Ansonsten besteht die Gefahr sich strafbar zu machen. Es gibt Bestrebungen, dass die Betreuung von Sportlern durch Sportveranstalter übernommen werden sollen, um die enge Verknüpfung zwischen Sportarzt und Sportler und die mögliche Vereinnahmung zu unterbinden. Dem steht entgegen, dass Sportler eine kontinuierliche Betreuung und Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Sportler bevorzugen. Daher ist es besonders für den Sportarzt wichtig, auf persönliche Integrität und finanzielle Unabhängigkeit zum Spitzensportler und zum Spitzensport zu achten.

Zusammengefaßt:
Dr. med. W. Bunk
04.03.2009

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